Archiv für März 2009

11.04.2009 monochrome + action beat + don vito + no nebraska – karlsruhe, stadtmitte

monochrome

Monochrome — das sind Helm Pfohl, Marten Thielges, Dominik Thomann, Christian Specker und zweimal Gesang: Marc Calmbach und Kate Complikate. Monochrome — das sind mittlerweile zwei US-Touren und immer wieder Europa — in besetzten Häusern, Galerien, Discotheken und Pferdeställen. Monochrome — das sind vor allem auch die Longplayer laser (1999), ferro (2003), schließlich éclat (2006) — und jetzt caché. Monochrome kommen aus Stuttgart und Basel. Das französische Adjektiv caché bedeutet dahinterliegend, versteckt. Ohne Akzent, als Substantiv, ist Cache etwa die Abdeckung, der Schlupfwinkel oder ein Überkleber. Bekannt ist das Wort
schließlich aus dem Englischen und wird mittlerweile auch so als internationale Informatiksprache verwendet: der Cache ist ein so genannter Puffer-Speicher: hier werden Informationen, abgelegt,
zwischengespeichert, um einen schnelleren Zugriff auf Daten zu gewährleisten. Dieses Informationsversteck hat allerdings seine Tücken: die im Cache verborgenen Informationen bilden zugleich Spuren, die keineswegs sofort gelöscht werden.
In dieser Weise ist auch Monochromes neues Album ein Zwischenspeicher, ein Versteck von Spuren: und zwar von Spuren einer unterirdischen Geschichte der Popkultur, an deren Ende wir heute stehen. Mit caché begeben sich Monchrome mit ihrem gewohnt-ungewohnten Instrumentarium
— zu dem alle Werkzeuge von Punk, Hardcore und Pop gehören — auf Spurensuche und werden fündig: In zwölf zweieinhalb bis viereinhalb minütigen Songs arbeiten sie mit Detailverliebtheit und viel Sinn für die schöne Anekdote heraus, was in den letzten Jahrzehnten gleichsam
im Puffer-Speicher der Popgeschichte hängen geblieben ist. Dabei ist dahinterliegend insofern wörtlich zu nehmen, als dass es sich bei den Songs nicht um stilistische Imitationen oder Retroreferenzen
handelt. Hier klingt nichts wie Achtziger, Neunziger etc.; hier klingt auch nichts wie Band XY. Vielmehr hört man eben, was bisher nur versteckt war — jetzt nach außen gekehrt, offen und spielerisch; als sei das im Prinzip immer schon potenziell hörbar gewesen. Da gibt es immer
wieder die Stellen, die man sich immer schon auf einer Platte gewünscht hat, die man selber gerne arrangiert hätte, wenn man’s denn könnte. Dass das Monochrome so unprätentiös perfekt gelingt, hat natürlich nach einem halben Jahrhundert unzähliger Popgenres und abertausenden
Rockstandards mit Sound zu tun — das muss man freilich niemandem mehr sagen. Monochromes Stärke ist hier jedoch mehr, nämlich den Sound in Melodie zu verkleiden — fast möchte man sagen: verstecken — damit gehen sie über den Vorgänger éclat noch hinaus und präsentieren erneut
eine eigenwillige Idee von Pop, die nichts Abgeschmacktes, nichts Überflüssiges hat, und erst recht nichts von billiger Allgemeinheit und Banalität. caché ist eine ganze Platte voller schöner
Momente: Von Fall zu Fall sind Die Dinge, wie sie sind — und am Ende Detour Ahead. Auch bei den mitunter deutschen Titeln gilt: dahinter verbirgt sich meistens ein englischer Text (was alleine
schon Statement genug ist, um positiv erwähnt zu werden). Apropos: ein Song heißt Parallax — mit einer Parallaxe bezeichnet man die augenscheinliche Veränderung eines Objektes, wenn der
Betrachter seine Position wechselt. Doch nur durch einen Positionswechsel lässt sich entdecken, was versteckt ist oder dahinter liegt — caché.
Was weitere Verstecke und verborgene Spuren angeht: das Label ist jetzt Stickman Records (bekannt u.a. durch Motorpsycho und Wedding Present); und legendär ist auch der Name, der bei caché fürs Mastering gewonnen werden konnte: kein anderer als Bob Katz, der zwischen Bigband-
Jazz und Prog-Rock alles in feinster Qualität gemastert hat, was man mastern kann. Er selbst sagt über Monochromes caché: »… a real triumph!« Dem ist nichts hinzuzufügen (Roger Behrens).

monochrome hp

action beat

ACTION BEAT stammen aus Bletchley, einem Retortenvorort Londons und sind seit 2004 bereits dabei, die Noise geprägte Musiklandschaft mit ihrem Geräuschteppich zu überziehen. ACTION BEAT spielen in der Regel mit mindestens vier Gitarren (darunter eine Baritongitarre) einem Bass, zwischen einem und vier Schlagzeugen und manchmal kommt auch noch ein Violinist dazu. Damit machen sie ihrem Namen wohl mehr als alle Ehre und wenn sie erstmal loslegen, sind sie nicht mehr zu bremsen, rollen unter beträchtlicher Geräuschentwicklung und mit einem fast infantilen Spafl alles über den Haufen, was meint, sich ihnen ohne Ohrenstöpsel in den Weg stellen zu müssen. Dies haben mittlerweile auch Southern Records mitbekommen und namen die Jungs 2008 unter ihre Fittche.

action beat myspace

don vito

Hyperkinetic instrumental noise-punk-tohubohu from Leipzig

don vito hp

no nebraska

Noise-Pop

no nebraska hp

stadtmitte, karlsruhe (baumeisterstr. 3)
– 19.30 eintritt, konzertbeginn: 20.00h

11.03.2009 lonely ghosts + radio burroughs – kohi, ka

lonely ghosts

hinter Lonely Ghosts (UK) verbirgt sich Tom Denney, der sich noch bis vor kurzem als gitarrist und vokalist der britischen postpunkband Help She Can‘t Swim verdingte.

nach der auslösung der band im mai letzten jahres schien für Denney der zeitpunkt gekommen sich auf solopfade zu begeben. mit hilfe einiger synthies, ein paar gitarren und einer CD mit drum samples schuf Denney in emsiger heimarbeit das minialbum don‘t get lost or hurt. herausgekommen ist ein durchaus liebreizendes stück DIY-indietronic, dass sich zwar deutlicher in richtung eingängigkeit orientiert, Denneys background aber noch erahnen lässt.

schliesslich unterwandert er seine zuckersüßen popsongs mit rumpelnde beats und mischt warme synthieklänge mit verzerrtem bzw. akustischem gitarrengeschrammel.

lonely ghosts myspace

radio burroughs

das quintett lag de facto für geraume zeit auf eis und ist nun endlich wieder soweit, konzerte zu spielen. was irgendwann einmal aus der (post)hardcore- und screamo-sozialisierung der beteiligten zusammengeschustert wurde, entwickelt sich zu gitarrenpop, wie er im jahre 2009 verdammt noch mal klingen sollte. kanten wurden zu gunsten von groove und eingängigkeit abgefeilt, ohne freilich dahinzuplätschern. musikalische/emotionale ausbrüche sind inzwischen rar, eher gezielt, aber umso effektiver gesetzt. eingängige melodien werden verspielt in hirnwindungen verfrachtet, bevor der/die geneigte rezipient/in broken bisquit sagen kann. Und erinnert sich eigentlich noch wer an den wunderbaren Sprechgesang von Life Whithouth Buildings` Sue Thomas? Bei aller catchyness scheint uns das ganze auch noch auf intelligente art und weise was sagen zu wollen – keine selbstverständlichkeit in zeiten von indie2.0!
mit janette von Räuberhöhle!

radio burroughs homepage
radio burroughs bei myspace

kohi (werderplatz), karlsruhe – ab 20h!